Kostenstruktur eines Abrasivschneidplatzes
Das folgende Modell beschreibt einen typischen Einzelkopf-Schneidplatz mit 4.000 bar und rund 37 kW Anschlussleistung im Zweischichtbetrieb. Die Zahlen sind Rechenbeispiele, keine Marktpreise; ihre Aufgabe ist es, die Größenordnungen zueinander sichtbar zu machen.
| Position | Ansatz | Kosten | Anteil |
|---|---|---|---|
| Abrasiv | 0,35 kg/min = 21 kg/h bei 0,40 €/kg | 8,40 €/h | 33 % |
| Energie | 37 kW bei 0,26 €/kWh | 9,62 €/h | 38 % |
| Entsorgung Abrasiv und Abtrag | 21 kg/h bei 0,15 €/kg | 3,15 €/h | 12 % |
| Verschleißteile | Wasserdüse, Fokusrohr, Dichtungen, Ventile | 3,50 €/h | 14 % |
| Wasser und Aufbereitung | rund 0,23 m³/h inklusive Vorbehandlung | 0,90 €/h | 4 % |
| Summe Verbrauch und Verschleiß | ohne Maschinenstundensatz und Personal | 25,57 €/h | 100 % |
Rechenbeispiel zur Größenordnung. Energie- und Entsorgungspreise sind regional und zeitlich stark schwankend und im Einzelfall zu erheben.
Jahreskosten rund 76.700 €.
Die eigentlichen Kostentreiber
Auffällig am Modell ist, dass Abrasiv und Entsorgung zusammen fast die Hälfte der Verbrauchskosten ausmachen, während die Verschleißteile, über die in der Beschaffung am intensivsten verhandelt wird, bei rund einem Siebtel liegen. Die wirksamsten Hebel liegen daher an anderer Stelle.
| Ansatz | Kostenwirkung | Umsetzungsaufwand | Risiko |
|---|---|---|---|
| Qualitätsstufe konturweise vergeben | |||
| Abrasivmassenstrom optimieren | |||
| Verschachtelung der Teile verbessern | |||
| Abrasiv-Recycling einführen | |||
| Rabatt auf Verschleißteile verhandeln | |||
| Höheren Betriebsdruck fahren | |||
| Leerlaufzeiten mit Druckhaltung reduzieren |
Fünf Punkte entspricht der stärksten Ausprägung. Bei Risiko bedeutet ein hoher Wert eine größere Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen, etwa erhöhten Verschleiß.
In keinem der obigen Werte enthalten sind ungeplante Stillstände. Ein einzelner unvorhergesehener Ausfall von vier Stunden im Zweischichtbetrieb kostet je nach Maschinenstundensatz und Terminlage ein Vielfaches dessen, was die Verschleißteile einer ganzen Woche ausmachen. Ersatzteilverfügbarkeit und Reaktionszeit des Servicepartners gehören deshalb in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, nicht in den Anhang.
Angebote auf vergleichbare Basis bringen
- Gleicher ArbeitspunktAlle Angebote auf denselben Druck, Volumenstrom und dieselbe Düsenkonfiguration beziehen
- Verbrauch je ReferenzteilEin reales Bauteil definieren und Abrasivverbrauch sowie Zeit je Teil abfragen
- Anschlussleistung und WirkungsgradElektrische Leistung am Arbeitspunkt angeben lassen, nicht die Motornennleistung
- Verschleißteilliste mit PreisenStandzeiten und Listenpreise der Verbrauchsteile über drei Jahre abfragen
- ServicekonzeptReaktionszeit, Ersatzteilverfügbarkeit, Fernzugriff und Wartungsvertrag beziffern
- Peripherie vollständigWasseraufbereitung, Abrasivförderung, Absaugung, Entsorgung und Fundament einbeziehen
- RestwertannahmeNutzungsdauer und Restwert einheitlich festlegen, sonst sind Vollkostenrechnungen unvergleichbar
Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit
Wann rechnet sich eine eigene Anlage gegenüber Lohnschnitt?
Die Schwelle liegt weniger bei einer Stückzahl als bei einer Auslastung. Grob gilt: unterhalb einer verlässlichen Grundauslastung von etwa einer Schicht bleibt der Lohnschnitt meist günstiger, weil Fixkosten und Kompetenzaufbau nicht umgelegt werden können. Hinzu kommen nicht monetäre Argumente wie Reaktionszeit, Geheimhaltung und Prototypenfähigkeit, die die Rechnung im Einzelfall drehen können.
Wie stark schlägt der Betriebsdruck auf die Kosten durch?
Zweifach und gegenläufig. Höherer Druck steigert die Vorschubleistung und senkt damit die Zeit je Teil, erhöht aber gleichzeitig Energiebedarf und Verschleiß an den druckführenden Bauteilen überproportional. Der wirtschaftliche Betriebspunkt liegt deshalb selten am oberen Ende des Leistungsbereichs.
Lohnt sich Abrasiv-Recycling?
Bei hoher, gleichmäßiger Auslastung und hohen Entsorgungskosten am Standort ja. Die Rechnung wird über die Summe aus eingespartem Neumaterial und vermiedener Entsorgung geführt, gegen Investition, Energie, Wartung und Betreuungsaufwand der Recyclinganlage. Bei Einschichtbetrieb geht sie meist nicht auf.