Werkzeug

Arbeitspunkt-Rechner.

Aus Druck, Düsendurchmesser und Düsenzahl ergeben sich alle weiteren hydraulischen Größen. Der Rechner macht diese Kopplung sichtbar und zeigt an, wann eine Konfiguration die sicherheitsrelevanten Schwellen für handgeführte Werkzeuge überschreitet.

VorplanungLesezeit 6 Min.Stand 2026-08-27
Arbeitspunkt-Rechner Düsenkonfiguration eingeben, hydraulische Größen und sicherheitsrelevante Schwellen ablesen.
Volumenstrom gesamt2,7l/min
Strahlgeschwindigkeit894m/s
Hydraulische Leistung17,7kW
Anschlussleistung, geschätzt25,3kW
Rückstoßkraft je Werkzeug40 N
0 N150 N250 N400 N

Unterhalb 150 N. Handführung nach DGUV Regel 100-500 Kap. 2.36 grundsätzlich zulässig.

Druckförderprodukt10.800 bar·l/min

Ab 10.000 bar·l/min greift der Anwendungsbereich der DGUV Regel 100-500 Kap. 2.36.

Rechenmodell: Q = 0,667 · cd · d² · √p · n ·  |  v = √(2p/ρ) ·  |  Phyd = p · Q / 600 ·  |  F = 2 · cd · A · p. Ergebnisse sind Vorplanungswerte. Verbindlich sind die Angaben des Anlagen- und Werkzeugherstellers sowie die anlagenspezifische Gefährdungsbeurteilung.

Das zugrunde liegende Rechenmodell

Alle vier Ausgabegrößen folgen aus der stationären Betrachtung einer Düse. Es handelt sich um die Zusammenhänge, mit denen auch in der Angebotsphase gerechnet wird, nicht um eine Strömungssimulation.

Volumenstrom
Q = 0,667 · cd · d² · √p · n
Q
Volumenstrom in l/min
cd
Ausflusszahl
d
Düsendurchmesser in mm
p
Betriebsdruck in bar
n
Anzahl gleichzeitig betriebener Düsen

Der quadratische Einfluss des Durchmessers ist die dominierende Größe. Eine Vergrößerung von 0,30 mm auf 0,40 mm erhöht den Bedarf um rund 78 %.

Rückstoßkraft
F = 2 · cd · A · p
F
Rückstoßkraft in N
A
Düsenquerschnitt in mm²
p
Betriebsdruck in bar

Die Kraft steigt linear mit dem Druck und quadratisch mit dem Durchmesser. Bei Mehrdüsenwerkzeugen ist die vektorielle Summe maßgebend. Bei symmetrisch angeordneten Rotationsköpfen liegt der axiale Anteil deutlich unter der Summe der Einzelkräfte.

Wie die Ergebnisse zu lesen sind

Bedeutung der Ausgabegrößen in der Projektarbeit
GrößeVerwendungTypische Folgeentscheidung
VolumenstromPumpenauswahl, Wasserbilanz, AufbereitungsgrößeNennförderstrom der Pumpe mit Reserve festlegen
StrahlgeschwindigkeitPlausibilitätsprüfung des ProzessfenstersEinordnung Reinwasser- oder Abrasivverfahren
Hydraulische LeistungVergleich konkurrierender Angebote auf gleicher BasisBewertung, ob Nenndaten zueinander passen
AnschlussleistungElektroplanung, Schaltschrank, KühlungNetzanschluss und Rückkühlung dimensionieren
RückstoßkraftZulässigkeit der HandführungEntscheidung Handführung, Halterung oder Automatisierung
DruckförderproduktAnwendungsbereich der DGUV Regel 100-500 Kap. 2.36Betriebliche Unterweisung und Prüfpflichten festlegen
Sicherheitsrelevante Schwellen

Die Marken bei 150 N und 250 N im Rechner bilden Abschnitt 3.7.5 der DGUV Regel 100-500 Kapitel 2.36 ab: aufzunehmende Rückstoßkräfte dürfen 250 N in der Längsachse nicht überschreiten, oberhalb von 150 N sind zusätzliche Maßnahmen an der Spritzeinrichtung erforderlich. Der Rechner ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung und keine Herstellerangabe zur zulässigen Düsenbestückung.

Grenzen des Modells

  • Stationäre BetrachtungAnfahren, Abschalten, Druckwechsel und Pulsation sind nicht abgebildet
  • Keine AbrasivwirkungAbrasivmassenstrom, Fokusrohrgeometrie und Mischkammer bleiben unberücksichtigt
  • Inkompressibel gerechnetBei Höchstdruck ist Wasser messbar kompressibel; die reale Geschwindigkeit liegt unter dem Rechenwert
  • Leitungsverluste ignoriertDruckverluste in Rohren, Gelenken und Schläuchen mindern den Druck am Werkzeug
  • Wirkungsgrad als PauschaleDer reale Systemwirkungsgrad ist last- und baureihenabhängig

Häufige Fragen zum Rechner

Welche Ausflusszahl sollte man ansetzen?

Für die Vorplanung 0,70. Wer belastbarer rechnen will, misst am realen Werkzeug: Volumenstrom bei bekanntem Druck und Durchmesser aufnehmen und cd zurückrechnen. Ein deutlich abweichender Wert ist selbst schon eine Diagnose. Ein zu hoher Wert deutet auf eine aufgeweitete Bohrung hin.

Warum liegt die geschätzte Anschlussleistung so deutlich über der hydraulischen Leistung?

Weil zwischen Motorwelle und Düse mehrere Wandlungsschritte liegen: Antrieb, gegebenenfalls Ölhydraulik, Druckerzeugung, Leitungsverluste. Bei Übersetzersystemen ist ein Faktor von rund 1,4 bis 1,5 realistisch, bei Direktantrieben rund 1,15 bis 1,25.

Gilt der Rückstoßwert auch für Rotationswerkzeuge?

Nur eingeschränkt. Der Rechner summiert die Einzelkräfte über die Düsenzahl. Bei symmetrisch angeordneten Düsen eines Rotationskopfes heben sich radiale Anteile weitgehend auf, sodass die axial aufzunehmende Kraft niedriger liegt. Maßgebend ist in diesen Fällen die Herstellerangabe für das konkrete Werkzeug.

Belege und Regelwerke
  1. DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.36 „Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern“, Ausgabe März 2017 – https://publikationen.dguv.de/media/pdf/27/3a/6a/R500_236.pdf
  2. DIN EN 1829-1:2021-04, Hochdruck-Wasserstrahlmaschinen – Sicherheitsanforderungen – https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-1829-1/321847498