Aufbau in neun Abschnitten
Was soll am Bauteil erreicht werden, und woran wird es gemessen?
Geometrie, Werkstoff, Mengengerüst und Variantenvielfalt.
Druck, Volumenstrom und Düsenkonfiguration als Wertepaar.
Taktzeit, Schichtmodell und geforderte Verfügbarkeit.
Medien, Aufstellort, Sicherheit, Service und Abnahme.
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Sie folgt der Auslegungslogik: vom geforderten Ergebnis über das Werkzeug zum hydraulischen Arbeitspunkt und erst danach zur Maschine. Wer mit Abschnitt 3 beginnt und einen Druck vorgibt, hat die Auslegung bereits vorweggenommen, meist unbeabsichtigt und selten optimal.
Fehler, die Angebote unvergleichbar machen
| Formulierung in der Anfrage | Problem | Bessere Formulierung |
|---|---|---|
| „Pumpe mit 4.000 bar“ | Kein Volumenstrom, kein Arbeitspunkt definiert | „3.800 bar am Werkzeug bei 3,8 l/min im Dauerbetrieb“ |
| „hohe Schnittqualität“ | Nicht prüfbar, keine Kalkulationsgrundlage | „Funktionskanten in Q4, Außenkontur Q2, Referenzteil beigefügt“ |
| „Verfügbarkeit 99 %“ | Ohne Bezugszeit und Definition wertlos | „97 % bezogen auf die geplante Produktionszeit, geplante Wartung ausgenommen“ |
| „leistungsstarker Antrieb“ | Motornennleistung sagt nichts über den Arbeitspunkt | „elektrische Leistungsaufnahme am Arbeitspunkt angeben“ |
| „inklusive Wasseraufbereitung“ | Auslegungsgrundlage fehlt, Angebote streuen extrem | „Aufbereitung auf Basis der beigefügten Wasseranalyse, Zielwerte benennen“ |
| „Schulung inklusive“ | Umfang unbestimmt | „zwei Tage vor Ort, bis sechs Teilnehmer, deutschsprachig“ |
Ein reales Referenzbauteil beizulegen und alle Anbieter denselben Schnitt oder dieselbe Reinigungsaufgabe kalkulieren zu lassen, bringt mehr Vergleichbarkeit als zwanzig Seiten technischer Spezifikation. Es macht Annahmen sichtbar, die sonst erst bei der Abnahme auffallen.
Textvorlage zum Übernehmen
Die folgende Vorlage lässt sich unverändert in ein Anfragedokument übernehmen und um die projektspezifischen Angaben ergänzen. Die eckigen Klammern markieren die auszufüllenden Felder.
ANFRAGE WASSERSTRAHLANLAGE 1 PROZESSZIEL Verfahren ................. [Schneiden | Reinigen | Entschichten | Entgraten | Abtragen] Ausgangszustand ........... [Werkstoff, Dicke, Beschichtung, Verschmutzung] Geforderter Endzustand .... [Schnittgüte / Restverschmutzung / Abtragstiefe / Gratfreiheit] Prüfkriterium ............. [wie wird das Ergebnis gemessen und abgenommen?] 2 BAUTEIL ODER OBJEKT Abmessungen ............... [L x B x H, Gewicht] Werkstoff und Zustand ..... [Norm-Bezeichnung, Vorbehandlung] Losgröße / Jahresmenge .... [Stück pro Jahr, Losgrößen] Teilespektrum ............. [Anzahl Varianten, Wechselhäufigkeit] 3 HYDRAULISCHER ARBEITSPUNKT Betriebsdruck ............. [bar am Werkzeug, nicht Maximaldruck der Pumpe] Volumenstrom .............. [l/min am Arbeitspunkt] Düsenkonfiguration ........ [Anzahl, Durchmesser, Bauart] Abrasiv ................... [Körnung, Massenstrom kg/min, Zuführung] 4 PRODUKTIVITÄT Taktzeit / Flächenleistung [s je Teil oder m² pro Stunde] Schichtmodell ............. [h pro Tag, Tage pro Woche] Geforderte Verfügbarkeit .. [% inkl. Definition der Bezugszeit] 5 AUTOMATISIERUNG UND FÜHRUNG Werkzeugführung ........... [manuell | CNC | Roboter | Sonderkinematik] Beschickung ............... [manuell | Wechseltisch | automatisiert] Schnittstellen ............ [übergeordnete Steuerung, MES, Datenformate] 6 MEDIEN UND INFRASTRUKTUR Zulaufwasser .............. [Analyse beifügen: Härte, Leitfähigkeit, Chlorid, Partikel] Elektrischer Anschluss .... [verfügbare Leistung, Spannung, Absicherung] Druckluft / weitere Medien [Bedarf und Verfügbarkeit] Abwasser .................. [Einleitweg, Genehmigungslage, Grenzwerte] Aufstellort ............... [Fläche, Deckenhöhe, Fundament, Zugang, Kranbahn] 7 SICHERHEIT UND REGELWERK Schutzkonzept ............. [Einhausung, Verriegelung, Zugangskonzept] Rückstoßkraft ............. [bei handgeführten Werkzeugen: N in der Längsachse] Anzuwendender Rechtsrahmen [2006/42/EG bis 19.01.2027, danach (EU) 2023/1230] Lärm ...................... [Anforderung am Arbeitsplatz] 8 BETRIEB UND SERVICE Verschleißteilliste ....... [Standzeiten und Listenpreise über drei Jahre] Reaktionszeit Service ..... [zugesagte Stunden bei Stillstand] Ersatzteilverfügbarkeit ... [Lagerhaltung, Lieferzeiten kritischer Teile] Schulung .................. [Umfang, Ort, Sprache, Teilnehmerzahl] Dokumentation ............. [Sprache, Format, Umfang, Konformitätserklärung] 9 ABNAHME Abnahmekriterien .......... [Referenzteil, Messverfahren, Toleranzen] Ort der Abnahme ........... [Werksabnahme und/oder Abnahme vor Ort] Gewährleistung ............ [Umfang und Fristen]
Häufige Fragen zur Anfrage
Wie detailliert sollte eine Erstanfrage sein?
Vollständig in den Abschnitten 1, 2 und 4, offen in Abschnitt 3. Das Prozessziel, das Bauteil und die geforderte Produktivität müssen feststehen; den Arbeitspunkt können erfahrene Anbieter daraus ableiten. Genau diese Ableitung ist ein sinnvolles Vergleichskriterium. Wer sie sauber begründet, hat die Aufgabe verstanden.
Sollte ein Budget genannt werden?
Ein Rahmen hilft, wenn er ehrlich ist. Er verhindert Angebote, die an der Aufgabe vorbei dimensioniert sind, und erlaubt Anbietern, Ausstattungsvarianten sinnvoll abzustufen. Ohne Rahmen entstehen regelmäßig Angebote, die sich um den Faktor drei unterscheiden und deren Vergleich anschließend die eigentliche Arbeit ist.
Wie werden Betriebskosten in die Vergabe einbezogen?
Über eine Vollkostenbetrachtung mit einheitlicher Nutzungsdauer, einheitlichem Lastprofil und einheitlichen Energie- und Materialpreisen. Die Anbieter liefern dazu Verbrauchswerte am definierten Arbeitspunkt sowie die Verschleißteilliste mit Standzeiten. Das Vorgehen ist unter Betriebskosten beschrieben.