Selektiver Betonabtrag erfordert definierte Abtragskriterien
Bei Betonsanierungen kann geschädigtes Material gezielt entfernt und tragfähiger Untergrund freigelegt werden. Die geeigneten Prozessparameter hängen von Betonqualität, gewünschter Tiefe, Bewehrung, Flächenleistung und gefordertem Oberflächenzustand ab.
Warum die Bewehrung unbeschädigt bleibt
Der Hochdruckwasserstrahl trägt Beton ab, indem er in Poren und Mikrorisse eindringt und das Gefüge von innen sprengt. Geschädigter, carbonatisierter oder gerissener Beton hat mehr solcher Fehlstellen als intakter und wird deshalb zuerst abgetragen. Das Verfahren arbeitet damit selektiv: Es folgt dem Schaden, statt eine Tiefe abzuarbeiten.
Der Bewehrungsstahl bleibt stehen, weil er duktil ist und keine sprödbruchartige Gefügestruktur besitzt, an der der Strahl ansetzen könnte. Er wird freigelegt und dabei gleichzeitig entrostet, nicht geschwächt.
| Merkmal | Hochdruckwasserstrahlen | Stemmen und Fräsen |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Hydraulische Sprengung im Porengefüge | Schlag oder Schnitt auf die Oberfläche |
| Selektivität | Folgt dem Schadensbild | Arbeitet eine Tiefe ab, unabhängig vom Zustand |
| Restsubstanz | Keine neuen Mikrorisse, keine Erschütterung | Spannungsrisse und Körperschall im Restquerschnitt möglich |
| Bewehrung | Wird freigelegt und entrostet | Kann angeschlagen oder verformt werden |
| Untergrund danach | Rau und gereinigt, direkt beschichtbar | Meist zusätzliche Untergrundvorbereitung nötig |
| Nebenwirkungen | Abwasser und Betonschlamm fallen an | Staub, Lärm, Vibration |
Reinigen, Aufrauen und Entschichten sind unterschiedliche Prozessziele
Eine Oberfläche lediglich zu reinigen stellt andere Anforderungen als sie gezielt aufzurauen oder mehrere Millimeter Material abzutragen. Bereits im Lastenheft sollte deshalb beschrieben werden, welcher Zustand vorliegt und welcher Zustand nach der Bearbeitung erreicht werden soll.
Was das Regelwerk fordert
Betonabtrag und Untergrundvorbereitung im Bauwesen sind geregelt, und zwar unabhängig von der Sicherheitsnorm für die Maschine. Wer nach EN 1829-1 sicher arbeitet, hat damit noch nicht normgerecht saniert.
TR InstandhaltungTechnische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (DIBt)Gilt in Verbindung mit der DAfStb-Richtlinie „Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“ (Ausgabe Oktober 2001). Die bauaufsichtliche Einführung erfolgt über die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen in Landesrecht.
bauaufsichtlich eingeführtZTV-ING, Teil 3Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen, MassivbauAbschnitt 4 regelt Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen im Bereich der Bundesfernstraßen.
VerkehrsbauwerkeDBV-MerkblattHochdruckwasserstrahltechnik im BetonbauMerkblatt des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins mit konkreten Hinweisen zu Reinigen, Entschichten, Aufrauen und Betonabtrag.
PraxishilfeDIN 18349ATV für BetonerhaltungsarbeitenAllgemeine Technische Vertragsbedingungen; regelt die vertragliche Seite der Ausführung.
Vertragsrecht| Regelwerk | Bezeichnung | Mindestdruck |
|---|---|---|
| TR Instandhaltung mit DAfStb-Richtlinie | Hochdruckwasserstrahlen | 60 N/mm² – 600 bar |
| ZTV-ING, Ausgabe 2013 | Druckwasserstrahlen | 80 N/mm² – 800 bar |
| ZTV-ING, Ausgabe 2017 | Hochdruckwasserstrahlen | 60 N/mm² – 600 bar, an die Richtlinie angeglichen |
Die ZTV-ING wurde mit der Ausgabe 2017 an die Richtlinie angepasst. Bei Bestandsverträgen lohnt der Blick auf den vereinbarten Ausgabestand, weil die ältere Fassung einen um 200 bar höheren Mindestwert nennt.
Die TR Instandhaltung verlangt für eine ausreichende Rauheit im Regelfall das kuppenartige Freilegen des Gesteinskorns. Das ist ein prüfbares Ergebnis am Untergrund und kein Druckwert am Gerät. Maßstab für die Abnahme der Untergrundvorbereitung.
Für den Betonersatz gibt die TR Instandhaltung Teil 1 Schichtdicken vor: mindestens 30 mm, höchstens 60 mm, bei der Auffüllung lokaler Fehlstellen bis 100 mm. Diese Werte bestimmen mittelbar, wie tief abgetragen werden muss. Der Abtrag ist keine freie Entscheidung des Ausführenden.
Mechanisierte Werkzeuge erhöhen Reproduzierbarkeit und entlasten Bediener
Je nach Fläche und Zugänglichkeit kommen manuelle Lanzen, Flächenreiniger, robotische beziehungsweise fernbediente Systeme oder speziell geführte Werkzeuge zum Einsatz. Bei hohen Leistungen gewinnen Werkzeugführung, Rückstoßbeherrschung und Schutz des Bedienpersonals zusätzlich an Bedeutung.
Abtragswasser und Feststoffe sind Teil des Arbeitsverfahrens
Der Prozess erzeugt Wasser mit Betonpartikeln, Beschichtungsresten oder anderen Stoffen. Sammlung, Abscheidung und Entsorgung müssen deshalb zusammen mit dem eigentlichen Abtragsprozess geplant werden.
Abwasser: der unterschätzte Teil
Das anfallende Wasser ist nicht einfach Schmutzwasser. Durch den gelösten Zementstein ist es stark alkalisch und führt Betonschlamm mit sich. Beides schließt eine Einleitung ohne Behandlung in aller Regel aus.
- AuffangenFläche abschotten und das Wasser gezielt sammeln, bevor es in Gullys oder Erdreich läuft.
- AbsetzenFeststoffe in Sedimentationsbecken oder Container abtrennen; der Schlamm ist getrennt zu entsorgen.
- NeutralisierenDen pH-Wert vor der Einleitung absenken; der Grenzwert ergibt sich aus der örtlichen Entwässerungssatzung.
- AbstimmenEinleitung vorab mit dem Betreiber der Kanalisation klären. Die Anforderungen sind kommunal geregelt und nicht bundeseinheitlich.
- DokumentierenBei schadstoffhaltigen Beschichtungen ist der Abtrag Sondermüll; Nachweise sind Teil der Leistung.
Häufige Fragen zum Betonabtrag
Was bedeutet HDW-Verfahren?
Welcher Druck ist für Betonabtrag nötig?
Wird die Bewehrung beschädigt?
Wie unterscheidet sich das von Sandstrahlen?
Handgeführt oder maschinell?
- Technische Regel „Instandhaltung von Betonbauwerken“, Teil 1, Deutsches Institut für Bautechnik – https://www.dibt.de/fileadmin/dibt-website/Dokumente/Referat/I4/TR_Instandhaltung_Betonbauwerke_Teil1.pdf
- DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.36 – Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern, Ausgabe März 2017 – https://publikationen.dguv.de/media/pdf/27/3a/6a/R500_236.pdf
- DBV-Merkblatt „Hochdruckwasserstrahltechnik im Betonbau“, Deutscher Beton- und Bautechnik-Verein
- DIN 18349 – Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Betonerhaltungsarbeiten